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“Zum Züchten gehört der Mut, Fehler einzugestehen.”

Meine
Zuchtgrundsätze

...und einige Gedanken dazu!

Taub geboren...
Checkpoint Charlie's Keep Smiling Kyrill

Oboy - nur einseitig hörend...
Checkpoint Charlie's Oboy Kick Off

Ich züchte grundsätzlich nur mit HD-A oder HD-B ausgewerteten Hunden. Ich habe mich mittlerweile verpflichtet, meine Zuchthunde freiwillig auch auf ED (Ellenbogen-Dysplasie) untersuchen zu lassen - mittlerweile ist auch die Augenuntersuchung im CfBrH alle 2 Jahre bei den Zuchthunden Vorschrift lt. unserer Zuchtordnung. Desweiteren ist jeder meiner Zuchthunde in einer entsprechend anerkannten Klinik kardiologisch und audiometrisch untersucht. Warum? Weil auch in der Bobtailzucht immer wieder taube und herzkranke Welpen geboren werden, nur redet kein Züchter gerne darüber.

Und nach langem Überlegen HABE ich mich entschlossen, darüber zu reden! Seit Beginn meiner Zucht mußte ich mit dem Problem Hörbehinderung kämpfen, denn drei von meinen vier Zuchthündinnen “aus der Alten Noris” waren scheinbar genetische Träger von Taubheit. Und ich weiß, daß das nicht nur bei meinen Zuchthunden der Fall war, sondern daß es sich dabei um ein grundsätzliches Problem in der Bobtailzucht auf der ganzen Welt handelt und Hörbehinderungen immer wieder auftreten, weil der Bobtail zu den weißfaktorierten Rassen gehört. Dabei gibt es eine einfache Gegenmaßnahme: Vernünftige Selektion durch audiometrische Untersuchung aller Zuchthunde! Mittlerweile wurde 2011 im Club für Britische Hütehunde die Zuchtordnung entsprechend angepaßt und es wird eine Audio- Datenbank geführt, auch werden alle Audiometrie-Ergebnisse jetzt in das Zuchtbuch eingetragen.

Sicherlich - es IST teuer und es IST mühsam, mit einem ganzen Wurf zu solch einer Untersuchung zu fahren, aber - wenn ich es damals nicht getan hätte, dann würde Oz (Bild rechts) jetzt in Finnland vielleicht als Deckrüde der Zucht bestimmt keinen Gefallen tun! Es tat mir sehr leid für die Züchter, daß sie den Flug zur Abholung an Ostern 2005 känzeln mußten...

Oz
Um es noch einmal deutlich zu sagen: Wenn diesbezüglich unerfahrene Züchter in einem Wurf einen nur einseitig hörenden Welpen haben, dann können sie das ohne fachkundige Untersuchung kaum feststellen. Selbst gänzlich taube Welpen werden von so manchem Züchter verkauft mit der Bemerkung, sie hätten es nicht gemerkt! Wenn Sie also einen Bobtailwelpen erwerben, seien Sie etwas kritisch und vergewissern Sie sich im Zweifelsfalle bitte auch über sein intaktes Seh- und Hörvermögen . Ein seriöser, verantwortungsbewußter und erfahrener Züchter wird Ihnen diesbezüglich bereitwillig eine zuverlässige Auskunft geben können.

In Naddel’s 3. Wurf war es für mich persönlich sehr prägend, daß ich bereits in der dritten Lebenswoche mit meinem kleinen “Glöckchen” selbst in der Lage war zu erkennen, daß Welpe Nr. 2 rechts gehörlos zu sein schien. Eine weitere sensible Beobachtung des ganzen Wurfes auf räumliches Hörvermögen unterstrich meinen Verdacht durch die gesamte Aufwachsphase hindurch, bis mir das Audiometrie-Ergebnis meine Vermutung bei diesem Welpen eindeutig bestätigte.
Weiterhin konnte ich bei diesem Welpen deutlich beobachten, wie er anfing ab ca. der 6. Lebenswoche dieses Hördefizit mit den Augen auszugleichen - habe ich die Welpen gerufen war gut zu sehen, wie er sofort mit den Augen erst
MICH gesucht hat, um dann erst etwas verzögert hinter seinen Geschwistern her in meine Richtung aufzubrechen.

Was ich mit diesen Ausführungen meiner Beobachtungen sagen will: Jeder Bobtailzüchter hat für mich die Verantwortung, sich grundsätzlich über intaktes “räumliches Hörvermögen” beim Hund zu informieren. Er hat zu lernen, wie man seine Welpen daraufhin korrekt testen kann und bei nur dem geringsten Verdacht den gesamten Wurf bzw. zumindest verdächtige Welpen audiometrisch untersuchen zu lassen!

Zur audiometrischen Untersuchung werden die Welpen über eine Braunüle 
in eine kurze Schlafnarkose versetzt, um ein korrektes Ergebnis zu erhalten.

Viele Informationen und Antworten auf offene Fragen zum Thema “Taubheit bei Hunden” findet man übrigens sehr anschaulich geschildert im Dalmaweb: http://www.dalmaweb.de/taubheit.htm
Diesbezüglich weiterführende, interessante Informationen findet man
hier in einer Doktorarbeit von Saskia Kristina Hogreve der Uni Gießen in einer PDF-Datei, Seite 31 - 35 des Dokuments.

Balou wird auf erbliche Augenkrankheiten untersucht
 von Dr. Ulli Koch - macht er ganz brav!

Bleibt zu hoffen, daß wir für unsere Rasse bald DNA-Tests betr. solch genetischer Defekte haben - das würde eine gesunde Rassehunde -Zucht um ein Vielfaches erleichtern und endlich dafür sorgen, daß in dieser Szene so manche Hetzjagd auf Hund und Züchter beendet wäre!

Zur Augenuntersuchung werden die Augen vorher 
 geträufelt, damit sich die Pupillen erweitern.

Ich habe übrigens von meinem gesamten Q-Wurf gleich bei der audiometrischen Untersuchung einschließlich der Mutter EDTA-Blut abnehmen und zur Forschung an die TiHo Hannover zu Prof. Dr. Distl schicken lassen. Und ich bitte hiermit ALLE Bobtailzüchter sich ebenfalls an diesem Forschungsprojekt zu beteiligen mit betroffenen bzw. Träger-Hunden! Das Formular dazu kann man sich hier auf der Seite des Clubs für Britische Hütehunde unter dem Menü-Punkt Zucht->Gesundheit->Hörfähigkeit->Forschungsprojekt als PDF-Datei runterladen. Danke für Eure Mitarbeit!

Und niemals vergessen bitte: Sowohl die Hündin als auch der Rüde - immer BEIDE Elternteile übertragen grundsätzlich jeweils 50% ihrer Erbanlagen auf ihre Nachkommen!

Nach mittlerweile fast 30 Jahren Bobtailerei habe ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungswerte, Erfahrungsaustausch und dem, was ich mittlerweile an Forschungsprojekten und Doktorarbeiten gelesen habe, für meine Zucht beschlossen, daß ich niemals einen Hund mit zwei blauen Augen in die Zucht nehmen werde und keinen Hund mehr mit zu hohem Weißfaktor im Fell. Und wenn bereits eines meiner gewählten Elterntiere Wall-Eyes hat, d.h. nur ein blaues Auge, dann werde ich als Zuchtpartner immer einen Hund mit zwei braunen Augen dazu auswählen.

Ein blaues Auge ist blau, weil es pigmentlos ist, nicht weil es eine blaue Iris hat! Es erscheint blau durch das Wasser im Augapfel, ist aber in Wirklichkeit farblos. Der Standard schreibt: 2 blaue Augen werden akzeptiert.
Ich habe persönlich erfahrene Kynologen kennengelernt, die grundsätzlich von der Zucht mit 2 blauen Augen dringend abrieten bzw. aus alten Überlieferungen zu berichten hatten, daß solche Welpen früher oftmals eingeschläfert wurden...eine konkrete, wissenschaftliche Erklärung dafür konnte mir bis heute allerdings keiner liefern, aber ich denke, es wird seinen Grund gehabt haben.

Der ursprüngliche Bobtail hatte genausoviel dunkle Fellanteile wie der Bearded Collie. Es ist zur Mode-Erscheinung geworden, den Bobtail halb weiß zu züchten, weil er dadurch für die Show attraktiver und besser proportioniert erscheint, aber Pigmentverlust in Auge, Haut & Haar bedeutet auch Verlust der Gesundheit in vielen Punkten.

Champion

Zum Beispiel entsteht bei überwiegend weißer Zeichnung, insbesondere am Kopf, die Taubheit dadurch, daß embryonale Pigmentzellenvorgänger (sog. Melanoblasten) in ihrer Wanderung vom Entstehungsort (im neuralen Kamm) zum Bestimmungsort (in der Haut oder in von der Haut abgeleiteten Strukturen, so z.B. die Anlage des inneren Ohres) verhindert werden. Wenn keine oder zu wenige solcher Zellen in die sich entwickelnde Ohrenanlage gelangen, entwickeln sich dort keine Sinneszellen und das Ohr bleibt taub.

Mit freundlicher Genehmigung © Mr. Ray Owen

In der Historie des Old English Sheepdog wird berichtet, daß jedoch gänzlich dunkle Färbungen beim Bobtail nicht wünschenswert waren bei der Arbeit auf dem Feld, weil die Schäfer ihre Hunde in der Nacht nicht sehen konnten oder nicht erkannten, in welche Richtung sie gerade arbeiteten. Sie waren auch davon überzeugt, etwas Weiß würde die Schafe ruhiger machen. Manche Schäfer verlangten einen weißen Stern auf der Stirn, was sie für ein Zeichen großer Intelligenz hielten - Gottes Fingerabdruck usw. Es gibt darüber viele Geschichten, die über Jahrhunderte am Lagerfeuer weitererzählt wurden, mit entsprechendem Wahrheitsgehalt.

Mein Zuchtziel ist es, überwiegend wieder dunklere Bobtails zu züchten in allen Teilen. Dunkle Augen, dunkles Fell im hinteren Bereich bis unterhalb der Sprunggelenke, vorne bis an die Schulterblätter, auch bis in die Vorderpfoten - und vermehrt Patches am Kopf. Ich persönlich liebe eigentlich den schwarz durchpigmentierten Weißkopf mit einem blauen Auge - ein wundervoller Anblick! Aber als Züchter muß man differenzieren lernen zwischen dem, was man schön findet und dem, was einem die größtmöglich gesunde Nachzucht bringt.

Mein Zuchthund muß phänotypisch rundum gesund sein, den Tierarzt nur vom Impfen her kennen, ein bobtailtypisches Wesen haben und absolut frei sein von jeglicher Art von Aggression. Meinen Anspruch an meine Nachkommen sehe ich in folgender Reihenfolge: Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Wesen, Standard der Rasse. Als zweitrangig in meiner Zucht betrachte ich die Zähne und das Fell. Wichtig ist für mich, daß der Hund ein funktionsfähiges Scheren-oder Zangengebiß hat zur ungehinderten Nahrungsaufnahme und bis zu 3 fehlende Prämolaren sehe ich nicht als zuchtausschließendes Kriterium an, für mich läuft der Hund nicht auf seinen Zähnen. Ich achte dann aber in der Auswahl der Zuchtpartner darauf, daß einer von Beiden wenigstens ein korrektes vollzahniges Scherengebiß hat.

Tom & Eef!

Hyperodontie - Zahnüberzahl im verbleibenden
Gebiß, hier sind es 8 obere Schneidezähne!

Allerdings sollte man als Zuchthund-Besitzer die Anzahl der Zähne seines Tieres wissen und auch die Zähne des ausgewählten Zuchtpartners nachzählen, denn es gibt auch ZUVIEL Zähne (Hyperodontie). Hunde haben bei voll entwickeltem Gebiss 28 Milchzähne und 42 bleibende Zähne.

So ist es mir passiert, daß ich in einem Wurf wissentlich zwei Rüden mit zuviel oberen Schneidezähnen habe - kommt wohl selten vor, ist für mich auch kein Grund, so einen Hund aus der Zucht zu nehmen. Aber - ich denke, daß es in der Zucht genauso wenig gefördert werden sollte wie zu wenig Zähne. Der Zuchtpartner dazu sollte also grundsätzlich ein komplettes und in der Anzahl der Zähne korrektes Scherengebiß haben!

Was das Fell betrifft - selbst ein “schlecht” behaartes Exemplar bedeutet für einen durchschnittlichen Bobtailhaushalt immer noch mehr als genug Pflegearbeit. Das im Laufe der letzten Jahrzehnte angezüchtete, extreme Showkleid des OES ist in meinen Augen schon oftmals nicht mehr zumutbar für Herr & Hund. Ich achte in meiner Zucht auf ein möglichst harsches Deckhaar mit ausreichender  Unterwolle, eine Kombination, die schön aussieht, aber dabei noch relativ pflegeleicht ist, soweit man davon beim Bobtail überhaupt sprechen kann.

Checkpoint Charlie's No One But You Noelle
Tanja und Änne...

Momo & Dorian - geboren 7.6.1995
li: Checkpoint Charlie’s Attention Please
re: Ch. Checkpoint Charlie’s Action Painter

Ich bin mir darüber im Klaren, daß ich mir mit meinen Ansichten und Ausführungen in bestimmten Kreisen nicht gerade Freunde mache. Im Laufe meines “monogamen” Bobtail-Lebens habe ich viel erlebt und weiß, daß es keinen Hundezüchter auf dieser Welt gibt, der nicht auch schon irgendwann irgendwelche - egal welcher Art - Probleme gehabt hat. Es wäre auch unnatürlich wenn nicht, denn der Hund ist nun mal ein Mehrlingsgebärender, nur die Besten überleben in der Natur. Bei der Auswahl eines Zuchthundes aus meinen Würfen selektiere ich vorwiegend nach Biotonus und Durchsetzungskraft des Welpen in den ersten Tagen nach der Geburt.

Der Deckrüde

Mitunter die größte Verantwortung in der Hundezucht haben eigentlich die Deckrüdenbesitzer, schon alleine deshalb, weil ein Rüde theoretisch Hunderte von Kindern in die Welt setzen kann im Gegensatz zu einer Hündin. Rüdenbesitzer müßten jeden Deckinteressenten eigentlich über alle sichtbar vorhandenen und erblichen Vor-und Nachteile ihres Rüden aufklären können, soweit es ihnen bereits bekannt ist. Aber leider wird meistens nicht mal die Hündin kritisch betrachtet beim Decken, geschweige denn eine Ahnentafel der Hündin vorweg angefordert, ob der Rüde denn überhaupt passen könnte. Man kehrt für sich und seinen Ego unter den Teppich, deckt und kassiert - fertig. Oft stellt sich dann erst nach Jahren heraus, daß einem die Rüdenbesitzer wichtige Zuchtkriterien einfach verschwiegen haben und man diesen Rüden niemals auf seine Hündin hätte setzen dürfen.

Über ihn hätte ich gerne viel mehr gewußt...

Bobtailhochzeit

Ich habe es zu meiner großen Freude jetzt schon öfters erlebt, daß Besitzer/Züchter über ihre Deckrüden kritisch gesprochen und sogar beraten haben, möge dieser Trend viele Nachahmer finden und sich unbedingt fortsetzen! Nur so können wir eine Rassehundezucht sinnvoll gestalten. Ein Züchter kann nur so gut sein, wie seine Informationen sind.

Unbestritten ist jedoch auch, daß jede Hundezucht nicht nur ein sehr gutes Wissen um die Rasse, sondern auch immer ein großes Quentchen an Glück und Fingerspitzengefühl benötigt. Viele Erbgänge von Dingen, die wir bei unseren Hunden nicht so gerne sehen, sind noch nicht genau geklärt und eben deshalb wird ein sehr verantwortungsbewußter Züchter immer versuchen, seinen Inzuchtkoeffizienten so gering wie möglich zu halten und so oft wie es geht frisches Blut in seine Zucht einkreuzen. Das erhöht die Vielfalt der Gene und schützt vor Inzuchtdepressionen.

Thema Zuchthündin - was ist Zucht?

Zunächst erstmal die Definition Hundezucht:

Unter dem Begriff „Zucht“ wird die gezielte Fortpflanzung mit Rüde und Hündin verstanden. Das Zuchtziel ist das Erhalten von Welpen mit definierten Eigenschaften der Elterntiere. Hierbei geht es im Besonderen um die Vererbung bestimmter Rassemerkmale wie Charakter, Körperbau und Gesundheit -> Rassestandard. Oberstes Ziel der Hundezucht ist die Erhaltung und Optimierung der Gesundheit und Qualität des Tieres. Tierschutzorientierte Punkte stehen im Vordergrund und nicht der finanzielle Aspekt, wie es bei unseriösen Züchtern leider oft der Fall ist. In den VDH-Zuchtbestimmungen, die sehr streng sind, steht u.a. geschrieben, daß nur gesunde Hunde ohne genetische Defekte gezüchtet werden dürfen, zudem nur mit wesensfesten Tieren, die sozial verträglich sind.

Ch. Needles and Pins aus der Alten Noris
Naddel am Muttertag!

Checkpoint Charlie's Hitchhike Lady

In diesem Sinne habe ich in den letzten Jahren konsequent jede Hündin und auch jeden Rüden aus der Zucht genommen bzw. wieder abgegeben, die zuchtausschließende Erkrankungen hatten, keine Welpen oder Nachzucht mit genetisch bedingten Erkrankungen gebracht haben und ich werde das auch zukünftig in meiner Zucht so handhaben. Diese Hündinnen oder Rüden werden dann von mir in geeigneten Familien plaziert, zu denen ich regelmäßigen Kontakt pflege, wo sie artgerecht gehalten und liebevoll umsorgt werden und weiterhin ein glückliches Leben führen können. Und auch wenn mir jede Trennung immer wieder sehr schwer fällt, aber - ich bin verantwortungsbewußter Züchter! Ich muß im ethischen Sinne von Zucht mit der Verbesserung meiner Rasse weiterkommen, denn jeder Welpeninteressent hat bei mir das Recht auf einen gesunden und wesensfesten Hund und das hat für mich oberste Priorität!

Fazit: Ich war auch mal Anfänger und es gibt Dinge, die ich heute nicht mehr tun würde, das ist der natürliche Lauf der Zeit und nennt sich Lebenserfahrung. Kein Mensch ist vollkommen, aber dafür ungeheuer lernfähig! Je älter ich mit meinen Hunden in der Bobtailszene werde, desto länger kann ich abends in meinen Spiegel schauen. Wir Züchter müssen lernen, miteinander zu arbeiten und nicht gegeneinander, wie es in Deutschland bis dato überwiegend üblich ist, da sind uns andere Länder wie Dänemark und Holland bereits weit voraus oder liegt dieser unangenehme Wesenszug vielleicht in der Mentalität der Deutschen?

li: Checkpoint Charlie's Fire Fly
re: Lanzelot aus der Alten Noris

Pepita - 1 Jahr alt...

Ich glaube kaum in einem anderen Land der Welt gibt es soviel Neid und Mißgunst unter den Züchtern wie bei uns. Rufschädigung, üble Nachrede, Beleidigungen sind an der Tagesordnung und gerade ich durfte das aufgrund der Veröffentlichung meiner Seite “Kritisches” in den letzten Jahren besonders zu spüren bekommen.
Ich gebe zu, daß auch ich mich in der Vergangenheit an unbewiesenen Gerüchten aktiv beteiligt habe, aber man lernt aus seinen Fehlern. Wird mir heute etwas die Zucht betreffend über einen Dritten zugetragen, dann frage ich offen bei dem betroffenen Züchter oder Hundehalter nach ohne Umschweife, auch auf die Gefahr hin, mich dabei unbequem zu machen, aber im Sinne einer gesunden, rassetypischen und unabdingbar verantwortungsbewußten Rassehunde-Zucht kann ich damit sehr gut leben!

Ewiges Thema “Das Fell...”

Ich habe es nur zu oft erlebt, wie afghanenartige Bobtails hochtoupiert im Ring brilliert haben aufgrund ihrer unermeßlichen Felllänge.
Man stelle sich nun vor, so ein Old English Sheepdog soll mit seiner nicht seltenen bis zu 50 cm Haarlänge 24 Stunden unter freiem Himmel Arbeit an einer Schafherde leisten bei jedem Wind, Wetter, Jahreszeit und in aller Art von Landschaften - undenkbar!
Dieses Haar durchnässt relativ schnell bei Regen bis fast auf die Haut, es sammelt jede Menge von Samen, Gräsern, Blättern und allem erdenklichen Gestrüpp auf, was wir dann zuhause nur mit viel Mühe & Pflegeaufwand wieder entfernen können.
Ist es das, was wir wollen?

Die amerikanische Variante wird für die Show extrem auf Unterwolle gezüchtet, worin sich das meist zu weiche Deckhaar integriert.
Dort werden die Bobtails wie Buchsbäume in Form geschnitten und fühlen sich an wie ein Wattebausch.
Ich gebe zu, daß ich das sehr gerne anschaue und die dazugehörigen Groomingmeister bewundere, aber auch das hat mit dem ursprünglichen, wetterfesten Arbeitshund nicht mehr viel gemeinsam.

Der alte Standard des arbeitstauglichen und wetterfesten Bobtails ist leider zugunsten von Show & Schönheit verändert worden. Wer heute noch einen Bobtail mit dem ursprünglichen Shaggyhaar in den Ring stellt, der läuft Gefahr, daß er keine Chance mehr auf eine Plazierung hat. Und wenn - dann mit entsprechender Kritik, das Haar wäre zu “curly”. Nun schaut Euch mal dieses Bild (1957 bin ich geboren worden) an von Mrs. Flint (danke an Barrie Croft), die in England lange Jahre erfolgreich unter dem
Zwingernamen “Newcote” arbeitsfähige Bobtails gezüchtet hat:

Ich sehe in diesem Hund meine Prada, Schwester Twinny, meine Gucci - danke Elli! Viele Züchter schimpfen über dieses Fell, es wäre nicht standardgemäß. Es gibt nicht wenige Richter, die dieses Fell als Grund sehen, einen wirklich guten OES nicht zu plazieren und mit einer schlechten Formwertnote zu beurteilen.

Bevor ich Prada hatte, da war mir eigentlich nicht bewußt, was der Standard unter einem harschen Fell sehen will.
OES-Specialjudge Ray Owen hat mal bei Facebook gepostet, daß der Bobtail ein Fell wie ein “Scourer” (Topfkratzer) haben sollte.
Haben Sie Ihren Bobtail mal angefaßt und dieses Empfinden gehabt? Ich erst nach 27 Jahren bei Prada!

Dieses Fell überlebt Monate der mäßigen oder auch rigorosen Pflege, bei jeder Wetterlage kommt diese Hündin nach Hause, schüttelt sich und ist wieder plüsch & sauber. Auf einer Show braucht dieses Fell nicht toupiert werden, denn es steht von ganz alleine.
Meine Theorie: Das extreme Toupieren auf Ausstellungen hat erst angefangen, als dem Bobtail dieses Shaggyhaar verloren ging. Bobtails mit diesem Haar brauchen kein Auftoupieren, denn das Haar steht von ganz alleine wunderbar nach dem normalen Durchbürsten.

Hätten also alle Bobtails wieder dieses ursprüngliche harte, stehende Deckhaar, dann würden sich die Interessenten für unsere Rasse vielleicht auch wieder vermehrt für Ausstellungen interessieren? Schön wär’s....

Prada und Gucci haben mich jedenfalls gelehrt, daß IHR Haar jeder Natur trotzen kann und auch wenn es viele Gegner dieses Shaggyhaar’s gibt, ich habe begriffen, daß ein Bobtail in der Natur und bei seiner ursprünglichen Arbeit nur mit diesem Haar überleben könnte. Ich denke, es lohnt sich, darüber nachzudenken - beobachten Sie das Fell Ihres Bobtails mal genauer bei Regenwetter.

Hier noch eine wunderschöne Zeichnung eines typischen Bobtails.
Sie war die Sammelbeilage Nr. 36 der Berliner Morgenpost von 1960 mit dem Thema: “Unser Freund - der Hund”
 

 

Für die Hundezucht gilt: Schweigen ist feige - Reden ist Gold!

Hier geht es weiter mit Informationen über die PCD (Primäre Ciliäre Dyskinesie)

Bald wird es hier weitere Infos über die CA (Cerebelläre Abiotrophie) beim Bobtail geben!

Sollte jemand Kritik üben wollen an meinen Ausführungen oder andere züchterisch interessante Dinge beitragen können, die vielleicht wichtig sind - mailen Sie mich an, ich bin für jeden Hinweis dankbar - kann es doch nur sinnvoll sein für eine gesunde Hundezucht, denn Wissen ist Macht! Jeder Züchter kann nur so gut sein,
wie die Informationen, die man ihm zukommen läßt statt zu verschweigen oder zu leugnen...